Die heftige und kontroverse Kritik, die Lothar Matthäus nach der bitteren Niederlage gegen Paraguay geäußert haben soll, schlägt verständlicherweise riesige Wellen in der gesamten deutschen Fußballlandschaft. Das drastische Zitat, Deutschland habe derzeit nur Joshua Kimmich und ansonsten zehn Hasen auf dem Platz stehen, trifft die Nationalmannschaft mitten ins Mark. Es zeigt schonungslos auf, dass das größte Problem der aktuellen Auswahl anscheinend nicht primär im taktischen Bereich oder in der individuellen spielerischen Qualität zu suchen ist. Vielmehr geht es um die fundamentalen Tugenden des deutschen Fußballs, die bei dieser peinlichen Pleite fast vollständig vermissen gelassen wurden.
Der spürbare Einbruch von Kampfgeist, unbedingtem Siegeswillen und der richtigen Mentalität auf dem Spielfeld lässt Fans wie Experten fassungslos zurück. Matthäus bringt mit seiner harten und direkten Formulierung eine tiefe Frustration zum Ausdruck, die weit über das nackte sportliche Ergebnis hinausgeht. Es handelt sich hierbei laut seiner Einschätzung um ein alarmierendes Versagen an Charakter, Mut und echtem nationalem Stolz, das die gesamte Kabine nach dem Abpfiff völlig sprachlos zurückließ.

Inmitten dieser schweren Krise und der berechtigten Welle der Kritik ragt Joshua Kimmich als der einzige Profi heraus, der die klassischen deutschen Tugenden noch bedingungslos verkörpert. Der Mittelfeldchef und Führungsspieler zeigt in jeder einzelnen Partie genau die Disziplin, den unbändigen Einsatz und den unerschütterlichen Willen, die den deutschen Fußball über Jahrzehnte hinweg weltweit gefürchtet und erfolgreich gemacht haben. Kimmich gibt niemals auf, wirft sich in jeden Zweikampf und versucht unentwegt, seine Mitspieler durch sein eigenes Vorbild mitzureißen und anzutreiben.

Seine professionelle Einstellung auf und neben dem Platz zeigt, was es eigentlich bedeutet, den Adler auf der Brust mit Stolz und Verantwortung zu tragen. Er jammert nicht bei Rückschlägen, sondern marschiert voran und übernimmt auch in den schwierigsten Phasen des Spiels die Initiative. Genau diese unermüdliche Mentalität und die eiserne Selbstdisziplin sind es, die Matthäus bei allen anderen Akteuren auf dem Rasen so schmerzhaft vermisst hat. Kimmich steht symbolisch für das, was die Nationalmannschaft in dieser dunklen Stunde so dringend als kollektives Fundament bräuchte.
Demgegenüber stehen etablierte Akteure wie Leroy Sané, die trotz ihres unbestreitbaren Talents immer wieder durch eine eklatante Konzeptlosigkeit und eine scheinbar gleichgültige Körpersprache negativ auffallen. Sané verfügt zweifellos über herausragende fußballerische Fähigkeiten, enorme Schnelligkeit und die Gabe, Spiele im Alleingang zu entscheiden, wenn er einen guten Tag erwischt. Doch viel zu oft wirkt sein Auftreten auf dem Platz lethargisch, uninspiriert und seltsam losgelöst vom Schicksal der gesamten Mannschaft. Wenn die Dinge nicht sofort nach Plan laufen, neigt er dazu, den Kopf hängen zu lassen und lamentierend abzuwinken, statt den Kampf anzunehmen.

Diese mangelnde Bereitschaft, in der Defensive auszuhelfen und sich für das Team aufzuopfern, steht im krassen Gegensatz zu Kimmichs vorbildlicher Einstellung. Einem Spieler von Sanés Format muss klar sein, dass Talent allein auf internationalem Niveau nicht ausreicht, um Spiele zu gewinnen. Ohne die nötige Prise an Härte, Disziplin und emotionalem Investment bleibt er ein Mitläufer, der in engen Partien wie gegen Paraguay komplett untergeht.

Auch Leon Goretzka sieht sich nach solchen Auftritten völlig zu Recht einer massiven und anhaltenden Kritik an seiner sportlichen Einstellung und Führungsqualität ausgesetzt. Einst galt er als das dynamische Kraftpaket im Mittelfeld, das durch Physis, Torgefährlichkeit und eine aggressive Zweikampfführung die gegnerischen Reihen im Alleingang durchbrechen konnte. In jüngster Zeit jedoch wirkt Goretzka oft seltsam gehemmt, unsichtbar und lässt die nötige Präsenz vermissen, die man von einem erfahrenen Führungsspieler schlichtweg erwarten muss.
Anstatt in schwierigen Phasen Verantwortung zu übernehmen und das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, taucht er im kollektiven Tief der Mannschaft allzu oft sang- und klanglos unter. Ihm fehlt momentan genau dieser unbedingte Biss und die emotionale Ausstrahlung, die seinen Mittelfeldpartner Joshua Kimmich so unverwechselbar auszeichnen. Wenn selbst gestandene Profis wie Goretzka der Mannschaft keinen Halt mehr geben können, bricht das gesamte Gefüge der Nationalmannschaft wie ein Kartenhaus zusammen. Die Fans fordern zu Recht, dass er sich endlich wieder auf seine alten Stärken besinnt und echten Charakter zeigt.

Die historische Identität der deutschen Nationalmannschaft basierte schon immer auf einer unerschütterlichen Mentalität, einer perfekten Organisation und einem extremen kollektiven Zusammenhalt. Man sprach nicht umsonst über Jahrzehnte hinweg weltweit voller Respekt und Ehrfurcht von den sprichwörtlichen deutschen Turniermannschaften, die niemals aufgaben. Selbst bei spielerischer Unterlegenheit schafften es frühere Generationen immer wieder, Partien durch pure Willenskraft, Laufbereitschaft und eiserne Disziplin in den Schlussminuten zu drehen. Genau diese elementare DNA des deutschen Fußballs scheint der aktuellen Generation von hochbezahlten Profis fast vollständig abhandengekommen zu sein.
Die Nationalspieler von heute wirken oft wie verwöhnte Individualisten, die wunderschönen Kombinationsfußball spielen wollen, aber die schmutzige Defensivarbeit und den harten Kampf komplett verweigern. Ein solcher Verlust der eigenen Identität führt unweigerlich zu peinlichen Niederlagen gegen vermeintliche Außenseiter, die diese elementaren Tugenden noch mit Leben füllen. Wenn Deutschland auf die Weltbühne zurückkehren will, muss diese urdeutsche Mentalität schleunigst wieder in den Fokus gerückt werden.

Die schockierende Kabinenpredigt und das drastische Hasen-Zitat von Lothar Matthäus müssen daher als ein finaler, lautstarker Weckruf für den gesamten deutschen Fußball verstanden werden. Es darf nach einer solchen Demütigung kein einfaches Weiter-so geben und die Verantwortlichen müssen endlich die unbequemen Wahrheiten schonungslos ansprechen. Spieler, die nicht bereit sind, die Tugenden von Joshua Kimmich zu teilen und alles für ihr Land zu geben, haben in dieser Auswahl schlichtweg nichts mehr verloren. Es ist an der Zeit, dass Akteure wie Sané und Goretzka ihr eigenes Verhalten tiefgehend hinterfragen und beweisen, ob sie diesen Ansprüchen überhaupt noch gerecht werden wollen.
Die Nationalmannschaft benötigt dringend eine radikale Kehrtwende hin zu mehr Disziplin, echtem Stolz und einer bedingungslosen Leistungsbereitschaft auf dem Platz. Nur wenn jeder Einzelne wieder kapiert, was es bedeutet, für Deutschland alles zu opfern, kann diese Mannschaft wieder zu einer gefürchteten Einheit zusammenwachsen. Die kommenden Wochen werden unbarmherzig zeigen, ob die Mannschaft diesen Weckruf verstanden hat oder ob der endgültige Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit nicht mehr aufzuhalten ist.